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Es ist gemütlich :)

Hallo an alle 

Wir erwachen im serbischen offroad-Park, und wir erwarten eigentlich, dass jede Sekunde ein Löwe um die Ecke biegt… 🙂
Es hat 35 Grad, wir müssen flüchten!
Gleich am Park ist die Grenze zu Rumänien, und beide Grenzübergänge sind sehr sympathisch. In Rumänien, wie auf einen Schlag, sieht es anders aus, es fühlt sich anders an. Obwohl wir nun wieder in der EU sind (Serbien gehört ja nicht zur EU), ist es plötzlich vermüllter, ich sehe viele Pferdekutschen auf den Strassen, und beinahe jede Minute entdeckt mein Auge einen Strassenhund. Es fühlt sich ein bisschen an wie zu einer anderen Zeit. 
Ich denke über die EU nach, werde jetzt hier aber nicht politisch.
Ebenfalls zu denken geben mir die ganzen verfallenen Gebäude. Wir fahren durch einen Nationalpark, riesige graue, kommunistische Betonblöcke stehen im Wald, aus manchen Balkonen ragen Bäume, ich sehe aber auch vereinzelt Wäsche auf den Balkonen hängen… Es wirkt sehr apokalyptisch. Reto und ich mögen das ja. 
Ah, in Rumänien müssen übrigens alle, ausser Motorräder, Maut bezahlen. Zum Glück gelten wir als Wohnmobil und nicht als Lkw, 30 Tage kosten 7 Euro. Und eine Stunde Zeitverschiebung haben wir auch! 

Mittlerweile haben wir über 40 Grad im mog!! 
Auf der Suche nach einem Schlafplatz fahren wir in einen Feldweg, und werden von einem freundlich-lächelnden Rumänen angesprochen. Er ist der Bürgermeister, wir sagen ihm, dass wir einen Schlafplatz suchen. Und schon bietet er uns sein Grundstück an am Ende des Weges, toll an einem Bach unter Bäumen gelegen, mit überdachten Sitzbänken, Grillstelle… Toll! Wildcamping auf rumänisch! 
Er kommt etwas später zurück, packt uns in sein Auto, und zuerst zeigt er uns seine Firma (sieht fortschrittlich aus, Spedition und EU-Palettenherstellung) und sein Dorf, in dem er mit seiner Familie lebt und in dem er der Bürgermeister ist. Wow, was eine Gastfreundschaft! Das Dorf ist sehr sympathisch, schöne Kirche und Dorfkern. Wir werden von ihm zum Essen eingeladen, alle sind da, die ganze Familie. Kinder, Ehefrau, Eltern. Das Essen schmeckt toll! Wir verständigen und über google translater, was zu einigen lustigen Missverständnissen führt ;). Toller Abend! 

Am nächsten Tag zwingen uns die Hitze und ein Rudel von sechs riesigen, aggressiven Strassenhunden (die ersten, die ich so erlebe. Bisher habe ich nur positive Erfahrungen mit Strassenhunden gemacht, zum Glück! Bisher waren es sehr friedliche, sympathische und zurückhaltende Hunde!) zur Weiterfahrt. 
Wir waren noch im kalten Bach, aber schon nach einer Minute ist die Kühle wieder vergessen… Teddy vergräbt sich in einem kühlen Erdloch 🙂 und will da wohl nie wieder raus, aber weiter gehts durch eine tolle, grüne Landschaft, flach, aber die Berge sehen wir schon am Horizont. Es hat mittlerweile 39 Grad im mog!! An einem See inmitten von runden Hügeln bleiben wir stehen – (leider) auf einem Camping, es gibt keine freien Stellmöglichkeiten. Der liegt aber auch toll am See. Wir baden im See, die Rumänen tiefenentspannt, freundlich und offen. Beim Abendspaziergang bellt es überall aus den Wäldern , Teddy hat doch tatsächlich mal vor etwas Angst, und Bären gibt es hier ja auch… 
Das Schöne an Campingplätzen, um mein vorheriges „leider“ zu relativieren, sind die Menschen, die man trifft. So auch hier: neben uns Parken Carmen&Stefan, sie Rumänin, er Ostberliner, seit 27 Jahren verheiratet. Die sind cool :). Oh, schier vergessen, einer ihrer fünf Dackel ist auch mit an Bord, Cherry, die Teddy gerne ihre Zähne zeigt… 😉 

Die Nacht ist wahnsinnig heiss und laut, Rumänen feiern gerne und der Platz ist voll mit jungen coolen Tschechen, die die „Gumbalkan 2019“ Rallye fahren. Die Karren dröhnen, die Teilnehmer schlafen im Zelt. Coole Stimmung auf dem Platz. 
Nur ich bin leicht pikiert :): die Duschen haben keine Türen und kein Warmwasser , die Plumpsklos sind eher unrein und ziemlich müffelig… 
Wir baden, quatschen mit den Nachbarn (der mich übrigens an meinen alten Nachbarn in Greifensee, den Roger, erinnert), nehmen den einen oder anderen Apero, Teddy zerrt slips mit Einlagen aus den Büschen, frisst gekonnt ganze, rohe Eier und verbringt die Nacht damit, mit einer riesigen!! Kröte zu spielen… Am liebsten trägt sie sie im Maul umher…hm. Wir trinken zu viert Aperol Spritz, grillieren, und quatschen immer noch :)… 

Ausnahmsweise will reto mal weiter, und wir besuchen eine tolle alte Burg mit Folter-Vergangenheit, in Hunedoara/Eisenmarkt. Immer noch eine sehr apokalyptische Stimmung, Fantasien spinnen in unseren Hirnen – zum Glück leben wir im mog! Wie lange könnten wir da überleben, wenn die Zombie-Apokalypse über uns hereinbricht …??! 
… Overlanding, der neue Schutz vor Apokalypsen?? 🙂 

Wir fahren auf die „Transalpina“ , die höchste Strasse in Rumänien, sie führt durch die Karpaten. Die Strasse verbindet Siebenbürgen (Transsylvanien) mit der Walachei, am höchsten Punkt ist sie 2.123 Meter hoch. 
Unser Unimog kämpft sich also Nadelöhrkurven durch die transsilvanischen Alpen bergauf und bergab. 
Erbaut wurde die Transalpina 1939 und sie ist 148 Kilometer lang. Dichte Wälder, viele Stauseen. Über der Baumgrenze ist es karg und steinig. An einem Stausee finden wir, auf einer Lichtung, einen einsamen Stellplatz. Überall wachsen kleine Weihnachtsbäume und es gibt tolle Blumenwiesen wir früher! Teddy bellt ständig wie verrückt. Auch hier soll es ja Bären geben… Und erneut: apokalyptisch Atmosphäre. Überall überwucherte Ruinen, faszinierend! 

Hier legen wir einen chilligen Tag ein. Reisen ist anstrengend! Im Fall! Wir lesen, essen, trinken Kaffee, Teddy kann frei sein, es gibt leckeren rumänischer Wein und wir kochen… Ein toller Tag! 
Am nächsten Tag wollen wir trotzdem weiter, wir verlassen kurz die Transalpina und fahren eine Piste durch die Wälder, sehr verlassen, wir lassen die Drohne fliegen und sehen: überall dichter Wald! 
Zurück auf der Transalpina liegt noch vereinzelt Schnee auf dem höchsten Punkt, Teddy liebt das! Wir sind begeistert von Rumänien, hier kann man überall einfach raus fahren, stehen und campieren. Wow!
Nur andere Expeditionsfahrzeuge sehen wir hier komischerweise nicht… Einen bisher. Wie kann das sein? Es ist traumhaft hier, wild und einsam, und der Mensch ist so frei (der Reisende, nur für diesen kann ich ja sprechen). 
Leider ist es oben auf dem Gipfel sehr windig, aber ca 1km entfernt finden wir eine grüne Wiese mit grandiosem Panorama auf die Berge, auf 2.100 m Höhe. Es kühlt am Abend ab auf ca 10 Grad, und zum ersten Mal kommt wieder unsere Diesel-Heizung zum Einsatz – juhuiii :)! 
Ein Russe, Fotograf für den National Geographic, kommt spontan vorbei, am nächsten Tag auch die Polizei, die sich einfach nur für den mog interessiert… Wilde Strassenhunde, schöne, grosse friedliche Tiere, besuchen uns ebenfalls… Hier könnten wir bleiben. Aber weder reto und ich vertragen die Höhe gut, ging uns schon immer in Zermatt so, wir fühlen uns krank und ich werde von Alpträumen geplagt (Mitleid bitte für uns, an dieser Stelle :)..). 
Daher fahren wir, nach einem plötzlichem Gewitter mit starkem Regen und mittlerweile 15 Grad, ca 5km weiter, auf 1.400 Meter Höhe :), vorbei an einem rumänischen Skiort (Ranca) auf eine genauso idyllische Wiese, nun wieder unterhalb der Baumgrenze, mit tollen kleinen lila Blumen und feinen Gräsern. Es hat wieder 20 Grad, wir sitzen draussen, Teddy tollt herum. 

Während ich diesen Bericht nun gerade zu Ende schreibe, kommt eine Schafherde des Weges, mitsamt Schäfer und drei riesigen Hütehunden. Ich denke an Marokko. Ich vermisse Marokko, reto und ich reden oft darüber. Wie frei wir dort waren. 
Der Schäfer ist nett, leider können wir kein rumänisch. Angebettelt werden wir nicht, das ist anders im Vergleich zu Marokko. Das hat mich dort immer enttäuscht. Anderes Kapitel. 

Ich wünsche euch einen tollen Sonntagabend und eine gute Woche! 
Liebe Grüsse von reto, Teddy und sandra 

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