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Wir brauchen eine Pause

Hallo an alle

Die letzte Woche war eine ruhige, gemächliche Woche: nachdem wir die Transalpina Hochstrasse in deren Süden verlassen hatten, machten wir uns auf den Weg nach Osten, um die Parallelstrasse der Transalpina, die Transfaragasan Hochstrasse, vom Süden in den Norden zu fahren. Eigentlich dämlich, könnte man jetzt denken 😉, schliesslich wären wir dann quasi wieder am Ausgangspunkt, bevor wir die Transalpina von Norden nach Süden gefahren sind, nur ein paar Kilometer weiter östlich… nun, dem kann ich leider wirklich nichts entgegensetzen 😊.

Die Transfaragasan durchquert, wie die Transalpina, die Karpaten, die Passhöhe befindet sich auf 2.042 Meter Höhe. Sie wurde in den 70er Jahren erbaut, und ist 90 Kilometer lang. Sie wurde vom damaligen rumänischen Diktatur befohlen, dessen Namen ich nicht schreiben müssen möchte und während offizielle Quellen von 40 Toten beim gesamten Bau sprechen, berichten Zeitzeugen anscheinend von mindestens 400 Toten allein beim Bau der Staumauer des Stausees auf der Transfaragasan. So ist die Transfaragasan wohl ein eher trauriges Kapitel in der rumänischen Geschichte, und gelang jedoch zu, wie ich finde, positiver Berühmtheit durch die drei Jungs von «Top Gear» bzw. heute «The Grand Tour» (Reto und ich sind ja grosse Fans von Top Gear / The Grand Tour. Tatsächlich sind die drei vor 10 Jahren mit einem Aston Martin DBS – Jeremy – , einem Ferrari California – Richard – und einem Lamborghini Gallardo – James – vom Schwarzen Meer über Bukarest die Transfaragasan, gefahren und meinten, das sei wohl «die beste Strasse der Welt».).

Nun, als grosser Top Gear Fan widerspreche ich ungern, jedoch fanden wir die Transalpina tatsächlich schöner. Die Transfaragasan war stellenweise wahnsinnig langweilig, und düster und bedrohlich, die Nadelöhrkurven oben im Norden jedoch waren wirklich eindrücklich und toll zu fahren!

Am Beginn der Transfaragasan im Süden liegt die Festung «Catatea Poienari», welche als die originale Dracula-Burg gilt (nicht Schloss Bran, wie aus Bram Stokers Dracula… wobei auch hier gilt: «Dracula» ist ja ein Mythos, eine Erfindung, und soll einen Vampir darstellen. Inspiriert wurde die Legende von Dracula jedoch durch einen echten Menschen, Vlad, den Pfähler. Vlad, der Pfähler, wie er genannt wurde, hiess in Wirklichkeit Vlad III Draculea. Vlad galt, manchen Quellen Glauben schenkend, als sehr grausam, und inspirierte Bram Stoker zu seiner Romanfigur des Grafen Drakula.). Und während des 15. Jahrhunderts lebte Vlad III Draculea für einige Zeit auf dieser Burg.

Als wir dort sind, ist es grau und düster und neblig, wie man sich das vorstellt. Leider ist die Burg wegen Bären geschlossen! Die Tore sind abgeschlossen, grosse Warntafeln, die Bären zeigen, sind überall aufgehängt, und mit Teddy ist es wahrscheinlich auch keine gute Idee, auf Bärensuche zu gehen. Wir fahren weiter, die Transfaragasan ist in das Bergmassiv gebaut, bei manchen Brücken zittern wir ob sie unseren mog aushalten. Es herrscht graue Stimmung, die Strasse ist gefürchig, der Wald um einen herum dicht und düster. Am Strassenrand sitzt ein Braunbär. Er sieht seltsam aus. Wir halten neben ihm, würde ich meine Hand ausstrecken, könnte ich ihn berühren. Ich schreibe einer Tierschutzorganisation für Bären, inklusive eines Fotos des Bären, denn das Verhalten ist nicht normal, wir vermuten, er ist am Strassenrand festgemacht, als Touristenattraktion. Das muss gemeldet werden! Denn das Gefangenhalten von Bären ist verboten seit den Berner Konventionen… Der Bär trägt etwas um den Hals. Die hilfsbereite Frau der Tierschutzorganisation antwortet, es sei ein Peilsender um den Hals des Bären, und sie vermute, dass er sich so seltsam verhalte, weil er aus der Narkose aufgewacht sein könnte, als man ihm den Peilsender angebracht habe, und gibt mir einen anderen Kontakt, an den ich mich wenden kann. Hoffen wir, dass sie Recht hatte.

Wir gelangen zu einem riesigen Stausee, Lac Vidraru, mit der zuvor erwähnten Staumauer, die ist riesig. Immer noch graue Stimmung. Wir probieren eine kleine Piste abseits der Transfaragasan und der Touristen, die Piste ist wirklich mies, der Wald und der See sind dunkel und beängstigend. Wir müssen auch schon bald umdrehen – wir stossen auf eine Brücke, die für 3,5 Tonnen beschränkt ist. Wir wagen es nicht. Hauptsache, wir haben einen Unimog bzw. ein Expeditionsfahrzeug, ganz nach dem Motto «wo ein Unimog nicht hinkommt, kommt keiner hin», um zu erkennen: ein Fiat Panda, der evtl. etwas höher gelegt werden müsste 😉, würde uns hier locker abhängen… faszinierend.

Zurück auf dem Asphalt, stossen wir auf die Passhöhe mit Eis und dem Gletschersee «Lac Balea»: es ist wie in einem Feriendorf, Essens- und Souvenirstände überall. Eigentlich wollten wir hier gerne schlafen, aber reto und ich reagieren erneut auf die Höhe, uns ist trümmlig, wir müssen runterfahren. Die arme Teddy, Schnee findet sie ja einfach nur super! Zum Trost gibt es noch leckeres Schweinefleisch vom Grill für unsere «Schweinsbraten-Teddy», wie sie seit Serbien liebevoll genannt wird, als sie von coolen serbischen Typen mit Spanferkel gefüttert wurde. 😉

Die Transfaragasan ist nun nicht mehr von Wald umgeben, wir befinden uns über der Baumgrenze, sondern ist kahl und grau und steinig, richtig schön, und schlängelt sich in tollen Nadelöhrkurven ins Tal. Beeindruckend! Und mit dem mog sogar gut zu befahren, wir staunen.

Im Tal ist es warm, es fällt ein schönes warmes Licht, die Landschaft von Transsylvanien zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Reto fährt durch die Gegend, ich bin am Motzen («hier finden wir sicher nie einen guten Platz….!»), und finden einen wunderbaren Platz, an dem wir die nächsten vier Nächte verbringen werden: versteckt zwischen Schilf an einem breiten Fluss, hinter uns heller, grüner Wald (die Baumkronen sehen hier aus wie riesige, puschelige/kuschelige? Wattebäusche!) und leuchtende Blumenwiesen, über dem Fluss erheben sich die hohen Berge der Karpaten, mit den darin hängenden Wolken. Wahnsinn!! Reto meint, dies sei der schönste Wildcamping für ihn bisher!

Wir stellen den mog ab, reto wirft die Angel ins Wasser, Teddy schwimmt im Fluss und jagt Frösche…. Einmal gehen die Sirenen los, und Teddy steht am Fluss und jault mit. So haben wir sie noch nie gehört! Ansonsten buddelt sie Löcher, jagt Ameisen, wälzt sich auf totem Fisch… sehr idyllisch!

Wir merken, hier möchten wir bleiben, müssen wir bleiben. Denn, wir brauchen mal wieder eine Pause. Jeden Tag waren wir unterwegs, haben viel erlebt und gesehen, das muss auch verarbeitet werden, und jede Nacht woanders schlafen, ist ein Abenteuer, aber Abenteuer verlangen auch Ruhepausen. «Overlanding», wie ich dieses Unterwegssein seit der Lektüre der Christopher Many Bücher für mich nenne (er hat diesen Begriff für mich geprägt), ist anstrengend, man sehnt sich nach einem Platz, an dem man auch mal bleibt.

So sind es ruhige, entspannte und kühle Tage am Fluss. Manchmal regnet es, was super ist, unter der Sonnenmarkise tröpfelt der Regen so schön. Zwei wilde Hunde finden ihren Weg zu uns, die kleine Hündin ist so herzig und liegt eigentlich dauerhaft auf dem Rücken, um gestreichelt zu werden…. Teddy ist sofort Teil vom Rudel, die drei bellen gemeinsam, jagen gemeinsam, verteidigen uns gemeinsam… sogar zu Spaziergängen kommen die zwei mit, wobei man sofort bemerkt, dass sie sich wundern, was das soll…. Sie sind ja freie Hunde, die umherwandern. Mit ihnen war sicher noch nie ein Mensch spazieren.

Am Ufer des Flusses stehen noch andere Camper, weit von uns weg zum Glück, jeder in einer einsamen, abgeschotteten Bucht, die anderen sind rumänische Fischer. Sehr nette Menschen. Abends werden uns wunderschöne Sonnenuntergänge beschert, und nachts können wir endlich auch mal wieder heizen, juhui 😊.

Gestern dann zieht es uns weiter. Wir fahren nach Sighisoara, Schässburg auf deutsch, wo wir aktuell auf einem zentralen Parkplatz stehen. Unterwegs sind wir durch ein deutsches Städtchen gefahren, und haben eine typische Siebenbürgen Kirche in Apold besichtig.

Sighisoara ist eine bezaubernde, charmante kleine, mittelalterliche Stadt, mit einem «Doubletree» (amerikanische Hotelkette von Hilton), an dem wir stehen und welches wir des Öfteren frequentieren 😉, mit engen Gassen, einem deutschen Gymnasium und einem deutschen Friedhof oben auf dem Burgberg. Die Stadt ist voller Touristen und Cafes und Beizen, es ist eine schöne Stimmung, wir geniessen die Zivilisation und lassen uns treiben.

Während ich diese Zeilen schreibe, regnet es draussen, aber sobald der Bericht und der Regen fertig ist, gehen wir zu dritt in Ausgang 😊.

Liebe Grüsse an euch alle. Ich hoffe, es geht euch gut.

Grüsse und bis bald, reto, Teddy und sandra

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