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Unsere 3. Karpaten-Durchquerung

Hallo ihr Lieben, ich hoffe, es geht euch gut

Auf einer Reise wie wir sie machen, werden profane Probleme plötzlich zu tagesfüllenden Aufgaben – wir haben Dreckwäsche, aber keine Waschmaschine und keiner hat Lust auf Handwäsche… in Marokko hatten wir ja eine Waschmaschine dabei, diese war recht gross (was dadurch eben auch sehr viel Platz wegnahm), man musste sie nur selbst mit warmem oder heissen Wasser füllen, sie an den Strom anschliessen (z.B. am Mog selbst), und schon musste man sich nicht mehr kümmern. Doch in Zagora, einer Wüstenstadt in Marokko, machte das Billigprodukt aus einem grossen Land im Osten 😉 nach ca. 10maligem Gebrauch schlapp. Wir haben sie dann entsorgt, da unreparierbar. In Rumänien finden wir einen der seltenen Waschsalons, er ist nahe einem Studentenwohnheim, und hoch frequentiert. Die Trockner (Tumbler) sind kaputt (der freundliche Besitzer ist aber sofort da und fixt das Problem), es gibt einen Stromausfall, zwielichtige Gestalten tummeln sich vor Ort…. Völlig erledigt von dieser Herkules-Aufgabe 😊 finden wir einen tollen Übernachtungsplatz mitten in einem Naturschutzgebiet auf einer Staumauer (apokalyptisch!) an einem kleinen See, von Schilf, sanften Hügeln und Feldern umgeben. Hier verbringen wir drei Nächte: Reto angelt, Teddy schwimmt und jagt Enten, wir kochen viel und unternehmen Spaziergänge. Und auch hier zeigt sich Rumänien wieder von einer wirklich offenen Seite: das Gebiet ist privat, Campen verboten. Nach einer Nacht am See kommt der Besitzer vorbei, und wir fragen, ob wir evlt. noch zwei Nächte bleiben dürften – und er sagt einfach nur «ja». Das ist mal nett!

Dann ist es wieder soweit: wir wollen weiter, über- bzw. durchqueren jetzt mittlerweile zum dritten Mal der Länge nach die Karpaten 😊 (ihr erinnert euch, zuerst ging es die Transalpina im Westen der Karpaten von Nord nach Süd, dann die Transfaragasan im Osten der Karpaten von Süd nach Nord). Dieses Mal geht es aber keine Berg-, sondern eine Talstrasse mitten durch die Karpaten, das Tal liegt zwischen der Transalpina und der Transfaragasan. Wir finden es schön, immer längs durch die Karpaten, wie ein Strickmuster!

Im Tal ist es kühl und regnerisch, die Natur schön satt und grün, es gibt viele LKWs und unzählige Truckerstops. Auch die obligatorischen Prostituierten dürfen hier nicht fehlen! Wir übernachten auf einer riesigen Lichtung an einem Wald, es ist totenstill, nur die Moskitos und Glühwürmchen schwirren durch die Luft… am nächsten Morgen ahnen wir schon, dass sich über Nacht etwas verändert hat. Und tatsächlich: wir befinden uns mitten in einer Schaf- und Kuhherde, freundliche Schäfer grüssen begeistert, und sind anscheinend kaum beeindruckt oder scheinen sich über uns zu wundern… während Teddy und ich von einer Killer-Kuh (!) bedroht werden, lächelt Reto nur milde, und der Mog wird für die Weiterfahrt nach Bukarest parat gemacht.

In Bukarest angekommen staunen wir über die apokalyptische Stimmung (Rumänien, das Land der Apokalypse!): riesige, graue Gebäude, zum Teil leer stehend, schon überwuchert von Büschen und Bäumen, mitten in der Hauptstadt! Neben dem riesigen Parlament steuern wir einen Parkplatz an, mitten in der Stadt, zwischen Hochhäusern, für 20 Euro die Nacht. Dafür ist er überwacht und eingezäunt und sehr ruhig. Wir sind froh! Denn wie ihr euch denken könnt, ist eine Grossstadt ja nicht gerade expeditionsmobiltauglich.

Gerade köpfen wir den Sekt, haben unsere Stühle und Tische draussen aufgebaut (der Parkplatz ist fast leer, und wir stehen hinten im Eck), da schiebt sich ein riesengrosser MAN mit Wohnaufbau in unser Sichtfenster, und ein sympathischer Typ winkt uns zu. Wir einigen uns schnell, dass der MAN doch neben uns parken könnte, beide Eingangstüren zueinander ausgerichtet. Gesagt, getan, und aus dem MAN springen nacheinander fünf Lebewesen: Marcus aus Köln, der Besitzer des MAN, Stella, ebenfalls aus Köln, eine Freundin von Marcus, die für drei Wochen mitreist, Philipp aus Bochum, ein Freund von Marcus, der für eine Woche mitreist, wie auch zwei Hunde, Frieda, der Vizsla von Marcus und «Knödel», die zu Stella gehört. Sofort werden auch ihre Stühle ausgepackt und es wird angestossen! Wer hätte das erwartet, so eine coole Truppe, wir haben es richtig gut miteinander. Nach gemeinsamem Vorglühen bei den LKWs geht es gemeinsam in Ausgang. Es gibt griechischen Döner in der Old City von Bukarest, Drinks in einer Bar… Bukarest hat ein buntes, belebtes und sympathisches Nightlife zu bieten. Wir sind begeistert und kommen nachts erst wieder zurück zum Parkplatz und um die Hunde noch herauszulassen.

Um 11 Uhr am nächsten Morgen erwachen wir alle, es wird Kaffee getrunken im gemeinsamen «Wohnzimmer» 😉, zu acht (wir fünf Menschen inklusive der drei Hunde) bummeln wir durch die Gassen der Stadt, lassen uns treiben. Es ist wahnsinnig heiss! Am Abend wird erneut gemeinsam vorgeglüht, und auch der Ausgang erfolgt gemeinsam. Reto und ich freuen uns. So oft sind wir eben einfach nur zu zweit. Es ist schön, mit anderen zu reden, andere Themen zu haben!

Am nächsten Tag verabschieden sich unsere liebgewonnenen Nachbarn: Philipps Urlaub ist vorbei, er fliegt zurück nach Deutschland, und Stella und Marcus machen sich auf ans rumänische Meer. Wir bleiben zurück, ich in sehr melancholischer Stimmung, mir fehlten die neuen Nachbarn schon bei deren Abfahrt! Wir müssen aber in der Stadt bleiben, denn ab Montag müssen wir einiges erledigen: Post von der Schweizer Botschaft abholen (unsere Carnets de Passage), uns ums Visum für Russland kümmern, zu Mercedes um unsere neuen Teile für die elektrischen Fensterheber abzuholen. Am Freitag ging der elektrische Fensterheber auf der Fahrerseite kaputt! Die Scheibe ging nicht mehr hoch! Wir wussten immer, in einem Unimog ohne gross Elektronik machen elektrische Fensterheber wenig Sinn (das wurde vor uns nachgerüstet), und ich hatte immer geahnt, gehen diese mal kaputt. Und ein Fenster, das sich nicht mehr schliessen lässt, ist doof bei der Hitze und für die Sicherheit. Weiterhin mussten wir mit Teddy zum Tierarzt, sie war ja viel krank die letzten Wochen mit Würgen und blutigem Niesen inklusive schlimmem Hautausschlag an der Nase und kaum noch Appetit.

Zum Jon Bon Jovi Konzert neben unserem Parkplatz sitzen wir auf unserem Parkplatz, und ein nettes russisches Paar kommt vorbei: Ludmilla und Vladimir (nein, nicht die Putins!), wir haben es richtig nett miteinander, und sie bieten uns Hilfe an, wenn wir nach Russland kommen. Die können wir sicher gebrauchen, meinen Ludmilla und Vladimir. Ich bin gespannt!

In Bukarest wird zum ersten Mal Teddys Liebe zu Katzen erwidert, von der Hauskatze eines italienischen Restaurants, die unermüdlich Teddys Nähe sucht und mit ihr spielt. Teddy ist im Hundehimmel! Denn bisher hat sie nie verstanden, warum Katzen vor ihr flüchten – sie, die doch jedes Lebewesen liebt. Es sind tolle Bilder, und Teddy ist nach dem Tierarztbesuch inkl. Blutabnahme wieder glücklich und zufrieden.

Liebe Grüsse, reto, Teddy und sandra

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