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Die Ukraine überrascht – danke für dein schönes Willkommen

Wir lassen Moldawien hinter uns (die Ausreise ist schnell und unproblematisch, keiner will den mog untersuchen), und wir wollen in die Ukraine einreisen:

Die erste Hürde ist Stacheldraht und ein riesiger Balken auf der Strasse. Die beiden Grenzbeamten haben noch nie so etwas wie unseren Unimog gesehen, sie sind sehr freundlich und lachen viel, und sie lassen uns durch, mit einem Laufzettel. Der mog wird nicht durchsucht, lediglich betrachtet wird er interessiert von innen und aussen, es gibt viele persönlich-interessierte Fragen, Fotos werden geschossen. Es geht extrem zügig, insgesamt keine 30 Minuten, und danach lädt uns ein ukrainischer Grenzbeamte noch zu Getränken ein und gibt uns Reisetipps. So zum Beispiel: «… und an Strommast 37 biegt ihr nach links ab». Während ich noch denke, wie das gehen soll, muss man die zählen, aber ab wo?, lächelt er einfach nur freundlich.

Ah, noch ein Kommentar zu den Strassen: in Rumänien waren diese ja nun schon voller Schlaglöcher, vor allem Nähe Transnistriens. In Transnistrien waren die Strassen sogar ziemlich gut, in Moldawien dann wurden sie schlechter. Von der Ukraine hatte ich bisher nur Übles gehört, was die Strassenqualität anging, und obwohl diese durchwachsen war, war ich überrascht. Aber gut ist anders 😉.

Wir fahren durch ukrainische Ferienorte, das sieht interessant aus. Und dann: Tatsächlich gibt es, kurz vor dem Schwarzen Meer, einen Strommast 37! Unglaublich! Wir biegen ab, und da kommt das schwarze Meer. Es sieht wild aus und blau, gar nicht so schlimm, wie ich mir das vorgestellt habe 😊. Es sieht aus wie ein richtiges Meer!

Wir fahren eine Weile am Meer entlang, durch Dünen und Sandgräser. Ueberall stehen ukrainische Autos, die Menschen campen am Strand, und sonnen sich und baden im Meer. Wir finden einen herrlichen Platz, einsamer, oben an Klippen, hoch über dem Meer. Was eine tolle Sicht! Wir machen zu dritt einen Strandspaziergang, Chilly bewacht den mog. Der Strand ist sauber und leer, die Wellen sind schön, überall liegen Muscheln.

Zurück am mog, haben wir zwei Nachbarn: das eine ist eine Familie mit Tochter und Schäferhund, die aus Odessa sind und im Zelt schlafen, ein Lagerfeuer haben. Die anderen Nachbarn ist ein Ehepaar aus Kiew, die drei Söhne und die Hunde sind in Kiew geblieben. Alle sind wahnsinnig freundlich, und sehr herzlich. Unser Ukrainisch ist inexistent, ihr Englisch viel besser. Wir bekommen von beiden Familien Essen gebracht: Würste, Tomaten, traditionelles Essen… die Gastfreundlichkeit ist mal wieder umwerfend. Wer hätte das gedacht. Jemand hat mir mal erzählt, dass zB die Russen nicht gerne lachen würden, und die Ukraine liegt ja kurz vor Russland… hier ist nichts davon zu spüren. Alle sind sehr sympathisch und offen und interessiert!

Die beiden Familien erzählen uns, dass Camping in der Ukraine so geht, wie sie es machen: mit einem Auto an den Strand fahren, Zelt aufbauen, das ist Camping. Wohnwägen oder Wohnmobile kennen sie weniger, und so wird der mog bewundert und fotografiert.

Später entdecken wir, was sie meinen: hinter unserem mog, entlang der Klippen, ist ein kleines Wäldchen voller Büsche und niedriger Bäume. In fast jeder Bucht hat es Zelte, Autos. Müll wird an einer zentralen Stelle gesammelt (Wahnsinn!), und auch tatsächlich abgeholt. Uebrigens mit Schaufelradbagger, der den Müll auf einen Lastwagen schaufelt…

Ganz besonders faszinierend finden wir die Toiletten: da sind tiefe Löcher im Boden, oft mit Holzsitz, von schwarzen Planen als Sichtschutz umgeben. Diese Toiletten sind überall im Wald zu finden. Das ist anders als bei uns, aber ich bin begeistert!

Ein bisschen erinnert mich das übrigens an die Rügenbesuche in meiner Kindheit… da sahen die ehemaligen DDR-Camps in den Wäldern vorne am Meer ähnlich aus.

Der Strand ist breit, schöner Sand, das Wasser ist warm. Wir baden, haben Apero am Strand zum Sonnenuntergang und wunderschöne Sonnenaufgänge am Morgen. Die Viecher bestaunen diesen bedächtig von der Fahrerkabine aus.

Es ist nach wie vor sehr heiss, obwohl schon Anfang August. Es hat viel Ungeziefer, vor allem Nachts im Lichtkegel, Gottesanbeterinnen sind überall zu finden, und Chilly fängt ihre erste Maus! Juhu, ein Grund zum Anstossen.

Chilly spielt ewig mit der Maus, ist im Glück – da biegt Teddy um die Ecke, schnappt die Maus, trägt sie davon – und frisst sie! Tja, das ist das Los mit den grossen Schwestern… 😉

Unser Wassertank ist leer. Das ist uns noch nie passiert! Schon bei der Einreise in die Ukraine hatten wir keine Chance, Wasser zu finden. Sonst kriegen wir Wasser verlässlich an Tankstellen. In der Ukraine hatte dies jede Tankstelle abgelehnt. Wir würden ja natürlich bezahlen, aber trotzdem. Wir halten an einer Autowaschanlage, aber hier wird der Besitzer richtig unverschämt, er wollte einen horrenten Betrag. Wir lehnten ab.

So haben wir  nun einen leeren Wassertank und verlassen daher unseren idyllischen Stellplatz. Wir fahren die Küste entlang in den Osten, Richtung Odessa, doch erneut finden wir nirgends Wasser, Flüsse gibt es auch keine. Wir sind verzweifelt, es ist heiss.

Zum Sonnenuntergang finden wir einen verlassenen Campingplatz am Meer, in herrlicher Lage. Er ist bereits geschlossen (was heisst, dass keiner mehr kassiert), aber er ist trotzdem offen, viele Ukrainer campieren hier. Und es gibt Wasser, juhu! Wir tanken voll und finden einen schönen Platz an einer Steilklippe. Auf dem Camping hat es auch Duschen, Toiletten, einen Strandzugang, viele andere nette Camper, doch wir fahren weiter, wir wollen nach Odessa. Hier wollen wir auf jeden Fall das Motorrad reparieren lassen, es leckt Oel, die Stossdämpfer und Bremsen funktionieren nicht mehr richtig.

Wir finden den Motorradladen, geben das Motorrad ab, und finden einen super Parkplatz, mitten in Odessa, in einem Park mit hohen, schattigen Bäumen, mit einem Fussweg zum ca. 200 Meter entfernten Meer. Das Parken kostet für 24 Stunden ca. 2 Euro, das machen wir. Wir sind alleine auf dem ganzen Platz!

Wir erkunden die Stadt, den Strand, es ist sehr sympathisch hier, ein richtiger Ferienort. Wir schicken unsere Zweitpässe in die Schweiz, für das Russlandvisum, gehen Einkaufen, schön Essen, rauchen Shisha, baden im Meer… es ist eine sympathische Stadt mit netten Menschen.

Wir bringen unsere Wäsche zur Wäscherei, immer wieder besuchen uns nette Ukrainer am Mog, es ist richtig schön, wie in den Ferien! Wir geniessen Weisswürste und süssem Senf und Sekt am mog, sowie Rösti mit Bratensosse und Apfelmuss, Schweizer Kalbsbratwürste, Käsespätzle… kulinarisch sind wir also Heimweh-geplagt 😉.

Leider wird Chilly in der zweiten Nacht von einer anderen Katze angefallen, wir hören nur noch Geschrei aus dem Gebüsch. Teddy und reto stürzen ins Gestrüpp, um Chilly zu helfen, und können sie retten. Aber es geht ihr nicht gut. Sie hat Schmerzen, Bisswunden, Verletzungen. Wir warten etwas, aber Chilly schläft nur noch, hat Schmerzen. Wir gehen zum Arzt mit ihr, der nimmt eine Blutprobe und macht einen Ultraschall: ihre Leber und ihr Darm wurden beim Angriff verletzt! Sie hat nun einen kahl rasierten Bauch, bekommt Schmerzmittel und Entzündungshemmer (das müssen wir Chilly jetzt täglich spritzen) und eine spezielle Diät. Zum Glück muss er nicht operiert werden. Es geht im langsam besser.

Jede Nacht kommt ein alter Ural, das sind russische, geländegängige Lastwagen auf den Parkplatz, und parkiert die Nacht neben uns. Er hat einen Aufbau mit Knast-Fenstern, und jede Nacht steigen Polizisten mit Polizeihunden aus und gehen in die Stadt. Toll, wenn wir mal gross sind, wollen wir auch solch einen Ural mit Wohnaufbau! 😊

Auch besuchen uns jeden Abend eine Gang wilder Strassenhunde, immer die gleichen. Die sind super nett, und wollen statt Fressen lieber gestreichelt werden und mit Teddy spielen.

Wir mögen Odessa. Der Strand ist schön, es gibt mal wieder Infrastruktur, und die Stadt ist sehr grün, mit vielen Parks. Hier werden wir etwas bleiben! Am Strand gefällt es uns gut, hier gibt es auch kostenlose (und kalte!) Duschen, aber das ist super, denn es schont unseren Wassertank.

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